Der französische Zen-Meister nahm mich mit auf die Reise entlang dem „achtfachen Pfad“, erklärte mir dass das Leben Dukkha ist (leidbehaftet und unbefriedigend), dass Dukkha eine Ursache hat, es daher einen Weg zur Befreiung gibt und das dies der achtfache Pfad ist.
Ich begab mich auf die Reise.
Die erste Station war die rechte Einsicht, das Verstehen.
Zuerst überkam mich eine Riesenwut! Wie konnte er nur seine Geliebte in aller Öffentlichkeit in einem so kleinen Ort küssen? Mich so dem Gespött der Menschen aussetzen? Ich stellte meinen Mann zur Rede und er gestand, dass er schon seit beinahe 9 Monaten mit ihr zusammen sei und sie nun endlich klare Verhältnisse wollte. Er hatte sich für sie entschieden und gegen mich, aber nicht den Mumm gehabt es mir zu sagen, deshalb die öffentliche Szene. Er wusste, dass mich jemand anrufen oder es mir bei einem Bier erzählen würde. Die Einsicht kam, Wochen später, als ich im Garten saß, meine Übung machte. Er war feig. Ich war zu überheblich. Mit dem Verstehen tat ich mir schwerer. In mühsamer 10-Jähriger Arbeit hatten wir ein erfolgreiches Lokal, ein Haus gebaut und eine gewisse finanzielle Sicherheit geschaffen. Wie konnte er das alles hinwerfen? Es war seine Arroganz und meine Sturheit.
Die zweite Station: Rechtes Denken und Absicht.
Damit tat ich mir schwer. Was ist „Rechtes Denken“ und „Absicht“? Der Zenmeister legte seinen Kopf schief und stupste meine Gedanken an. Das rechte Denken bedeutet, Niemand zu hassen und allen Lebewesen gegenüber Wohlwollen praktiziert. „Wow“, dachte ich mir, „das heißt ich muss alle Mordgedanken aufgeben? Ich darf ihn nicht mehr dafür hassen, das er mit seiner Aktion mein Leben kaputt gemacht hat?“
In mühsamen kleinen Sitzungen im Garten, kam mir die unbequeme Einsicht, dass ich ja nicht ganz unschuldig an der Geschichte bin, und habe die Absicht ihm zu vergeben. (Ich arbeite immer noch an der Umsetzung!)
Die dritte Station: Rechte Rede
War eigentlich nichts anderes als die Umsetzung des Satzes meines Großvaters: „Sei ein guter Mensch“. Lüge nicht, schimpf nicht, vermeide unnützes Gerede und Gossip. Und wenn was gesagt wird, sollte es wahr, nett und liebevoll sein. Mit dem Lügen und Schimpfen tat ich mir nicht schwer. Bloß nicht mehr zu klatschen stellte sich als wahre Hürde heraus. Es kollidierte mit meiner Auffassung, dass wenn man Menschen zuhört, vieles lernen kann und somit Fehler vermeiden. Bis heute hab ich den Unterschied von „eine Geschichte erzählen“ und „Klatsch“ nicht definieren können. Aber ich halte nun meist meinen Mund und kommentiere die Stories seltener.
Die vierte Station: Rechtes Handeln
Hieß für mich, als neue Single, meinen Ex nicht umzubringen oder ihm die Pest an den Hals zu wünschen. Oder mir einen Mann aufzureißen, nur um ihm zu beweisen, dass ich nicht heulend im Eck sitze. Mein Zen-Meister wies mich auf die fünf Silas hin: Kein Lebewesen zu töten oder zu verletzen. (Okay, kein Mord und auch kein Versuch). Nichts zu nehmen, war nicht freiwillig gegeben wird. (Okay, ich werde nicht aus purem Hass seine DVD-Sammlung beanspruchen). Mich keinen bizarren sexuellen Freuden hinzugeben. (Das ging leicht, war ja keiner da!) Nicht zu lügen und nur wohlwollend zu sprechen. (Ihn nicht meinen Freunden gegenüber zum absoluten Arschloch stempeln.) Keine berauschenden Substanzen zu konsumieren. (Hier versagte ich vollkommen, ich rauchte mehr als je zuvor und trank das eine oder andere Bier zuviel).
Die fünfte Station: Der rechte Lebenserwerb
Sprich einen Beruf auszuüben, der keinem Lebewesen schadet. Mann/Frau darf nicht Fleischhauer, Jäger, Fischersmann, Soldat, Waffen-, Drogen-, Tierhändler werden. Das war einfach durchzusetzen. Während der Scheidung wurde alles verkauft. Ich hatte keinen Lebenserwerb mehr.
Die sechste Station: Rechtes Streben
Schlechte Gedanken, wie Mordplanung, Vernichtung einer beeindruckenden DVD-Sammlung, sollen umgewandelt werden in „heilsame“ Gedanken. Ich zog aus. Nahm mir eine winzige Wohnung und stopfte sie voll mit meinen „heiligen“ Dingen. Die räumliche Distanz verhalf mir die Verschwörungstheorien aufzugeben. Inzwischen hab ich mich von all den „heiligen“ Dingen getrennt und wohne mit einer Matratze, einem Kasten, Schreibtisch und Laptop sehr glücklich zusammen. Das Aufgeben der Dinge half mir meine Gedanken zu vereinfachen. Was brauch ich wirklich?
Die siebte Station: Rechte Achtsamkeit
Im Hier und Jetzt leben. Bewusst Atmen, Gehen, Stehen, Reden. Die Vergangenheit seien lassen und die Zukunft kommen lassen. Wirklich mit der Person sprechen, die mir gegenüber sitzt. Das half meinem Datingverhalten sehr. Anstatt über die letzten Jahre zu jammern, oder meine Zukunftspläne anzubieten, hörte ich den Männern wirklich zu und erfuhr Erstaunliches.
Die achte Station: Rechte Konzentration und Sammlung
Ist eine Vollbremsung der Gedanken. Das Hirn vollkommen ausmisten. Das sich konzentrieren auf nur eine Sache. Meist ist es das Atmen.
Wie bei den meisten Religionen oder Lebensanweisungen pickte ich mir die Dinge raus, mit denen ich leben kann. Kein Fleisch essen, oder kein gemütliches Bier trinken geht nicht. Viel mehr, dass verstehen und eingestehen. Jedenfalls tue ich mir beim Daten wesentlich einfacher. Ich erwarte nichts und freue mich auf neue Bekanntschaften. |